Gehäuse bauen
Holz
Ich empfehle für den Bau von Gehäusen MDF (mitteldichte Faserplatte). Dies ist eine aus Holzteilchen und Klebemasse aufgebaute Holzart ähnlich wie die Spanplatte. Allerdings sind die Holzteilchen viel feiner.
MDF hat folgende herausragende Eigenschaften, die kein anderes Holz bietet:
- dreidimensional schleifbar: Das Holz ist von oben, der Seite und allen Richtungen mit gleichem Druck schleifbar. Spanplatte haben diese Eigenschaft wegen den Preßdrucks von oben nicht, Echtholz wegen seiner Holzfaserrichtung.
- halbhart: Weich genug, um mit Schwingschleifer und per Hand schleifbar zu sein, hart und stabil genug für ein Gehäuse auch bei geringerer Holzdicke (ab 4mm).
- sehr glatt: Eine Lackierung auf gut vorbereitetem Holz wird superglatt und gleichmäßig, auch an abgerundeten Kanten.
- Dämmung: Es eignet sich hervorragend für den Bau von Lautsprechern u.ä., weil es durch die nicht ganz so feste Struktur Geräusche dämmt und nicht zu unangenehmen Resonanzen neigt.
Fazit: Ich empfehle unbedingt die Verwendung von MDF für ein Gehäuse. Es ist im üblichen Baumarkt im Zuschnitt erhältlich. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass man meist nur dickere Platten bekommt (17mm und mehr), während es MDF grundsätzlich auch ab 4mm gibt.
Presspappe sieht von der Oberfläche her ähnlich aus wie MDF. Es ist aber an den Kanten nicht sauber schleifbar. Die Kanten fransen beim Schleifen aus und bilden keine gleichmäßig glatte Oberfläche. Allerdings ist Presspappe im Baumarkt auch mit 4mm Stärke erhältlich. Deswegen kann man es in Einzelfällen für einzelne Teile des Gehäuses nehmen, um es an dieser Seite besonders dünn zu machen (z.B. um die Gesamthöhe eines Geräts zu verringern). Ein weiterer Nachteil von Presspappe ist, dass es sich wölbt. Dies ist ab einer gewissen Größe sichtbar.
Werkzeuge
Zum Bau von Gehäusen verwende ich üblicherweise etwa folgende Geräte:
|
|
|
|
|
 |
|
Tischkreissäge /
Kappsäge
grober Zuschnitt
|
Hobel
Abschrägen von Kanten
|
Oberfräse
Abrunden von
Kanten,
Einfräsungen
|
Klemmzwingen
festes Verleimen
|
Spachtelmasse
(hier: Glasurit
Universalspachtel)
|
|
|
|
|
|
 |
 |
|
Lochsäge
für gleich-
mäßig runde
Löcher
|
Stichsäge
für Löcher und
ungerade Schnitte
|
(Stand-)
bohrmaschine
Löcher mit
Bohrer und
Lochsäge
|
Akkuschrauber
Schrauben
schrauben
|
Schwingschleifer
Schleifen bei
Lackierung
|
Versenker
bündiges Versenken
von Schrauben
|
Einige der Geräte sind nicht unbedingt erforderlich, erleichtern aber die Arbeit oder ermöglichen eine bessere Gehäusekonstruktion.
Gehäuse bauen
Der Bau des Gehäuses erfolgt in den Schritten (genauere Tips zu einzelnen Schritten weiter unten):
- Bauplan für Holz machen: Die Elektronik wurde bereits gebaut, getestet und für gut befunden. Auch Schalter, Einbaustecker/-kupplungen und Anzeigebauteile (wie LEDs) liegen vor. Das ist sinnvoll, weil man dann Ideen bekommt, wie die Elemente in das Gehäuse zu integrieren sind und wie das Gehäuse aussehen sollte, damit man es nachher gut bedienen kann. Man sollte sich überlegen, an welcher Stelle des Gehäuses die Bedienelemente liegen sollen. Ein Deckel für eine spätere Wartung muß eingeplant werden. Dazu reicht es, wenn ein (achtseitiges) Gehäuse an einer Seite zu öffnen ist. Am besten, man nimmt die Rückseite oder Unterseite des Gehäuses als Deckel, oder man plant ein, die Elektronik auf der Grundplatte aufzubauen und die anderen sieben Seiten des Gehäuses als Deckel abziehen zu können (siehe VDRBox). In jedem Fall sind die Kanten eines Deckels später sichtbar. Somit sollte der Deckel dort liegen, wo die Kanten später nicht stören oder auffallen.
- Holz grob zuschneiden lassen: Im Baumarkt kann man sich Holz mit etwa 1mm Genauigkeit zuschneiden lassen. Am besten, man legt direkt nach dem Zuschnitt mal einige Bretter aufeinander und kontrolliert, ob die Maße in etwa stimmen und das Holz nicht schief geschnitten wurde. Manche Mitarbeiter scheinen mit den Zuschneiden von Holz nämlich überfordert zu sein, so dass man dann nochmal beim Baumarkt vorbeischauen darf. :(
- Holz selbst grob zuschneiden: Alternativ kann man (die entsprechende (Tisch-)Kreissäge vorausgesetzt) das Holz auch selbst zuschneiden. Man kauft sich im Baumarkt also nur ein größeres Stück Holz und schneidet die kleinen benötigten Teile selbst daraus. Das hat den Vorteil, dass man nach und nach das Holz während des Zusammenbaus des Gehäuses noch schneiden kann und sich somit nicht millimetergenau vorher einen Plan aufschreiben muss.
- Löcher bohren (1): Einige der Löcher müssen vor dem Zusammenbau gebohrt bzw. gesägt werden, weil es so viel einfacher ist.
- leimen, schrauben, nageln: Die zugeschnittenen Holzteile werden zusammengeleimt. Es ist unbedingt ratsam, die Teile zu leimen. Nur so erhält man am Ende eine dauerhaft glatte Oberfläche an den Nahtstellen und eine große Festigkeit des Gehäuses. (weiteres zu diesem Thema weiter unten)
- grob schleifen, Kanten abrunden (Fräse, Hobel, Schleifer): Das Gehäuse wird nach dem Zusammenbau geschliffen. (weiteres zu diesem Thema weiter unten)
- Löcher bohren (2): Einige Löcher sind besser nach dem Zusammenbau der Holzteile anzubringen, z.B. weil man jetzt die Position besser bestimmen kann.
- Spachtelmasse: Versenkte Schrauben und Lücken zwischen geleimten Holzteilen können mit Spachtelmasse abgedichtet werden. Wenn man das nicht macht, ist die Lücke nach der Lackierung später deutlich zu sehen. Es ist zu beachten, dass die Spachtelmasse vom Volumen her abnimmt beim Trocknen. Deswegen ist meist mehrfaches Spachteln und Schleifen notwendig.
- schleifen und lackieren: Sieht das Gehäuse gut aus und ist glatt geschliffen, erfolgt die Lackierung in mehreren Schitten. (weiteres zu diesem Thema weiter unten)
Bauplan für die Aktivboxen
Das Gehäuse besteht aus folgenden 13mm MDF-Holzteilen:
| 2x |
Front/Rückseite |
115mm x 115mm |
| 2x |
Seite |
115mm x 141mm |
| 2x |
oben/unten |
141mm x 141mm |
Dabei sind die genauen Abmessungen nur ein Vorschlag. Statt des hier würfelförmigen Gehäuses kann man genausogut ungleiche Kantenlängen wählen, das ist schlichtweg geschmackssache. Das Volumen des Gehäuses sollte am Ende etwa 1,3 Liter sein. Da aber noch Elektronik in jedes Gehäuse kommt und in eines davon ein Batteriefach, habe ich es etwas größer dimensioniert mit einem Leervolumen von 1,5 Liter.
Das Loch ist passend für den verwendeten Lautsprecher. Je nachdem, was man für ein Schutzgitter / Bespannstoff verwendet, kann die Größe verändert werden. Die Löcher sind am besten mit der Lochsäge zu sägen, damit sie gleichmäßig rund werden.
Durch das seitliche Loch, welches später mit Filz versehen wird, ergibt sich ein halboffenes Gehäuse. Dies wurde von Klang + Ton vorgeschlagen, wie ich es im Internet gelesen habe. Allerdings habe ich jetzt die Erfahrung gemacht, dass es ohne das Loch sehr ähnlich klingt. Ich empfehle der Einfachheit halber, auf das Loch zu verzichten.
Zusammenleimen von Holzteilen
Beim Zusammenleimen der Holzteile müssen dieselben zusammengedrückt und fixiert werden. Dabei fühlt man mit den Fingern seitlich an den Holzteilen, ob diese einen sauberen Abschluß bilden. Das Zusammenpressen und Fixieren der Holzteile kann man auf folgende Weise erreichen:
- Klemm-/Schraubzwingen: Mit den Zwingen werden Holzteile zusammengedrückt. Damit es keine Druckstellen am Gehäuse gibt, kann man zusätzlich Pappdeckel oder Holzteile dazwischenlegen. Vorteil: Am Ende keinerlei Spuren sichtbar. Nachteil: Meist kann man das Gehäuse nicht in einem Durchgang komplett zusammenbauen, sondern muss jeweils warten, bis der Leim trocken ist, um die nächsten Bretter anzuleimen.
- Nägel (versenken und drinlassen): Vorteil: Kleiner Nagelkopf verursacht nur kleines Loch im Holz, was später (nach der Lackierung) wenig auffällt. Nachteil: Kein hoher Druck mit Nägeln allein möglich.
- Schrauben (versenken und drinlassen): Vorteil: Schrauben ziehen das Holz gut zusammen. Nachteil: Wegen großem Schraubenkopf ist nach dem Zuspachteln des versenkten Kopfs und der Lackierung meist diese Stelle erkennbar.
- Schrauben (wieder herausschrauben): Durch ein zusätzliches Stück Holz, eine größere Mutter oder Unterlegscheibe drückt die Schraube großflächiger auf das Holz und damit die Holzteile zusammen. Nachdem der Leim trocken ist, entfernt man die Schrauben wieder. Vorteil: Schrauben ziehen das Holz gut zusammen. Das am Ende vorhandene Loch ist relativ klein. Nachteil: Es bleibt ein (wenn auch kleines) Loch.
Tip: Löcher sind, selbst wenn man sich Mühe mit dem Zuspachteln und Schleifen gibt, irgendwie am Ende immer sichtbar. Am besten ist es also, erst gar keine Löcher im Gehäuse zu hinterlassen. Das heißt also: Schraubzwingen nehmen!
Tip: Vor dem Schrauben immer vorbohren (in der Dicke des "Kerns" der Schraube), sonst wölbt oder bricht das Holz.
Schrauben versenken
- Vorbohren in der Dicke des "Kerns" der Schraube
- Versenker benutzen
- Schraube leicht versenkt (1mm) einschrauben
- Kopf zuspachteln, so dass nichts mehr vom Metall der Schraube sichtbar ist
- abschleifen
- spachteln und schleifen wiederholen, bis es glatt ist (die Spachtelmasse verliert an Volumen beim Trocknen)